Der Anlass, der dem Stuhl den Namen gab, ist längst vergessen, der Stuhl besteht in zeitloser Eleganz. Vor der Weltausstellung in Barcelona 1929 war Mies van der Rohe aufgefordert worden, den deutschen Pavillon zu entwerfen. Er sollte Schauplatz der Eröffnungszeremonie sein, die der spanische König Alfons XIII. und Königin Victoria hielten. Der Pavillon, den Mies entwarf, war nicht sehr groß. Seine lichte, großzügige Wirkung verdankte er freistehenden Wänden und erlesenen Materialien, Als königliches Gestühl diente ein Paar dieser Barcelona-Sessel. Wie Mies berichtete, fanden die Majestäten nicht einmal Zeit, auf den kostbaren Möbeln Platz zu nehmen. Dieser scheinbar schlichte, an den klassischen Klappstuhl erinnernde Sessel ist typisch für Mies' exklusives Möbeldesign: Das X des Gestells aus Bandstahl muss mühsam mit der Hand geschweißt werden, auch die Oberflächenbehandlung erfordert Handarbeit. Sitz und Rücken bestehen aus neun aneinander geschweißten Stahlstreifen - der Sessel ist schwer und soll es sein. Im Gegensatz etwa zu Breuer, der Mobilität wünschte, hatte Mies für seine Möbel bestimmte Plätze im Raum bestimmt, von denen sie nicht verschoben werden sollten. Die Polster der frühen Exemplare wirken mit ihrer Rosshaarfüllung schmiegsamer als die heutigen. Mies wollte ausdrücklich Möbel, die sich nicht für die industrielle Serienproduktion eigneten.
|