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MUCCHI | Gabriele


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Dr. h. c. Gabriele Mucchi

* 25.
06 1899 † 10.05.2002
 
Designer, Maler, Illustrator, Übersetzer und Architekt, Korrespondierendes Mitglied der Akademie der Künste

Lebenslauf
1917 - 1924            Studium der Architektur in Bologna
1918 - 1919            Kriegsdienst
1924 - 1928            Architektentätigkeit in Rom, Mailand, daneben Malerei
1928 - 1931            Berlin
1931 - 1934            Paris, Heirat mit der Bildhauerin Jenny Wiegmann
seit 1934                Mailand
1943 - 1945            Partisan , Angehöriger der Garibaldi-Brigaden
1948                      Mitbegründer der "realismo" Bewegung in Italien
1952 - 1954            Redaktionsmitglied der Zeitschrift "Realismo"
1956 - 1961            Gastprofessor an der KHS Berlin
1960 - 1962            Gastprofessor in Greifswald
seit 1962                Freischaffend in Berlin / Mailand
Auszeichnungen
1982                        Grundig Medaille
1984                        Ehrendoktorwürde der Humboldt Uni Berlin

Gabriele Mucchi war schon seit langem so etwas wie eine Legende. Ein Mann, ein Künstler, der das ganze Jahrhundert durchlebt hat, vor dessen Anbruch er am 25. Juni 1899 in Turin geboren wurde, und der noch am Beginn des Jahrhunderts voller Pläne war und mit einer nur ein wenig unsicherer gewordenen Hand zeichnete, was er rings um sich sah als kritischer und liebender Augenzeuge und unbestechlicher Richter seiner Epoche. Legendär seine unverrückbare Treue zu der Überzeugung, dass die Gesellschaft wahrhaft sozialistisch werden müsse, um menschlich zu sein, einer Überzeugung, zu der ihn nicht jugendlicher Überschwang, sondern in reifen Jahren die Erfahrung mit zwei Weltkriegen und zwei faschistischen Diktaturen in seinen zwei Heimatländern, Italien und Deutschland, gebracht hatte.
Legendär seine optimistische Fröhlichkeit, mit der noch der Hundertjährige, wenn er in einer Ausstellung seiner Arbeiten aus seinen Erinnerungen gelesen
hatte, ein paar italienische Volkslieder sang und am liebsten gar nicht aufgehört hätte. Legendär vor allem für seine vielen Freunde und Bewunderer in der DDR, wie er nicht nur als einer der ersten bald nach dem Ende von Krieg und Naziherrschaft aus dem Westen hierher kam, um sich für das Neue zu interessieren, das im Osten versucht wurde, sondern wie er dabei auf die Dauer mitmachte. Zwischen Mailand und Berlin oder zeitweise Greifswald hin und her pendelnd verteidigte er nicht nur in Italien den gesellschaftskritischen, für die unteilbare Würde des Menschen eintretenden, ausdrucksstarken Realismus gegen eine übermächtige Schwemme von Belanglosem oder Skurrilem, sondern half mit seinen Erfahrungen und Bildern auch seinen Freunden und Kollegen in der DDR, ihren Realismus stark und lebendig zu machen, ihn in die internationale Entwicklung einzubringen und der eigenen, beispielsweise xpressionistischen Traditionen bewusst zu werden. Über Jahre hinweg hingen die Bilder Mucchi`s als die eines Einheimischen in den Kunstausstellungen der DDR, ermutigten zu kraftvollen Farben und Körpergesten und lehrten das genaue Hinschauen auf Physiognomien und auf die Haltungen von Arbeitenden. Schüler von hier konnten ihm dann gelegentlich bei Wandmalereien in Italien assistieren; mit Wandmalereien von ihm in Berlin wurde zeitweise beschämend schäbig umgegangen. Seine solidarischen Warnungen vor Fehlentwicklungen in der DDR verübelte man ihm, aber die Humboldt-Universität verlieh ihm 1985 die Ehrendoktorwürde und die Akademie der Künste der DDR, freilich erst 1990, die korrespondierende, bald wieder erloschene Mitgliedschaft.
Das bewegte Leben Gabriele Mucchi`s als Architekt, Ingenieur, Designer, autodidaktischer Maler, Organisator von Ausstellungen und Kunstverständnis, Friedensaktivist und Übersetzer und Illustrator von Gedichten Brechts sei in diesem Moment des Abschiednehmens als wohl bekannt vorausgesetzt. Er hatte schon vor 1933 in Deutschland gelebt und war zwei Mal auch durch Ehefrauen mit Deutschland verbunden. Vertraut sind uns auch seine immer bis an die Grenze von naiver Einfachheit auf eindeutige Verständlichkeit zielenden Bilder von Partisanen, Landarbeiterinnen, Streikenden, Kriegsopfern, Fischern auf Rügen und schönen Frauen. Er hat seine klugen, poetischen, bildhaft schildernden Lebenserinnerungen mit "Verpasste Gelegenheiten" betitelt, weil er aus Überzeugung Karrieren ausschlug, und dennoch diese Entscheidungen zu Recht als Siege begriffen, bis die schmerzende Erfahrung gemacht werden musste, dass der Sozialismus eine Gelegenheit selbst verpasste, verdarb. Gabriele Mucchi starb am 10. Mai 2002.
Er wird nicht mehr in sein Atelier am Prenzlauer Berg hinaufsteigen, aber in Berlin-Friedrichsfelde seine letzte Ruhestätte finden.